Ein Ersatzbaum ist der Baum, den die Behörde verlangt, wenn sie die Fällung eines geschützten Baumes genehmigt. Die Möglichkeit dazu schafft § 29 Absatz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes: Wird der geschützte Baumbestand vermindert, kann eine angemessene Ersatzpflanzung oder ein Ersatz in Geld verlangt werden. Was genau verlangt wird, regelt dann die Baumschutzsatzung oder -verordnung Deiner Gemeinde — und am Ende Dein Bescheid.
Dieser Ratgeber hilft Dir bei der Frage, welcher Baum es werden soll. Wie viele Ersatzbäume anfallen, was die Ersatzpflanzung kostet und was passiert, wenn der Baum eingeht, steht im Hauptartikel Ersatzpflanzung nach Fällgenehmigung. Deine Stadt ist dabei? Dann zeigt Dir der Assistent Ersatzpflanzung planen die geprüften Regeln und passende Arten in einem Schritt.
Wichtig: Ob eine Baumart als Ersatzbaum zulässig ist, entscheidet Deine Behörde nach ihrer Satzung und dem Bescheid. Alle Listen und Empfehlungen auf dieser Seite sind Orientierung, keine Zulassung.
Zuerst: die Liste Deiner Kommune
Viele Städte geben vor, aus welchen Arten Du wählen darfst. Drei Beispiele, die wir in den amtlichen Texten geprüft haben (Stand 04.11.2026):
- Köln — Ersatzbäume sind aus der Liste in Anlage 1 der Baumschutzsatzung zu wählen. Abweichungen sind bei extremen Standorten oder auf begründeten Antrag möglich. Nicht heimische Arten sind nur erlaubt, wenn sie weder von der EU noch vom Bundesamt für Naturschutz als invasiv eingestuft sind.
- München — Die Stadt veröffentlicht eine Empfehlungsliste für Ersatzpflanzungen, geordnet nach drei Wuchsklassen: große Bäume über 20 m, mittelgroße unter 20 m und kleine Bäume unter 10 m sowie Großsträucher. Sie weist darauf hin, dass schwachwüchsige Sorten einer Art in eine niedrigere Klasse fallen können.
- Münster — Ersatzbäume kommen aus der Ersatzbaumliste der Stadt.
Steht in Deinem Bescheid eine bestimmte Art oder eine Liste, gilt diese. Möchtest Du eine andere Art pflanzen, kläre das vorher schriftlich mit der Behörde. Ein eigenmächtig getauschter Baum kann bei der Abnahme als nicht erfüllte Auflage gelten.
Pflanzqualität: was „Hochstamm 18/20“ bedeutet
Im Bescheid steht oft eine Kurzformel wie „Hochstamm, 3 x v., mDB, StU 18/20“. Die Begriffe stammen aus der Baumschulpraxis:
- Hochstamm — Baum mit gerade gezogenem, astfreiem Stamm und darauf aufgebauter Krone. Die übliche Qualität für Ersatzpflanzungen.
- Stammbusch — mehrstämmig gezogener Baum. Köln lässt ihn neben dem Hochstamm ausdrücklich zu.
- Heister — junger Baum ohne ausgebildete Krone, von unten an beastet. Er wird nach Höhe gehandelt und ist für die meisten Ersatzpflanzungs-Auflagen zu klein.
- StU 18/20 — Stammumfang zwischen 18 und 20 cm, gemessen in 1 m Höhe. Je größer der Stammumfang, desto älter und teurer der Baum.
- 3 x v. / 4 x v. — Zahl der Verpflanzungen in der Baumschule. Häufiger verpflanzte Bäume haben ein kompakteres Wurzelwerk und wachsen besser an.
- mDB / mB / Co — mit Drahtballen, mit Ballen, im Container.
Was in geprüften Satzungen verlangt wird:
| Stadt | Verlangte Qualität |
|---|---|
| Köln | Hochstamm oder Stammbusch, StU 18/20 cm (Obstbäume 16/18 cm) |
| Münster | StU 18/20 cm, Art aus der Ersatzbaumliste |
| Frankfurt am Main | Laubbaum 1. Ordnung, mind. 12, 14 oder 16 cm StU — je nach Größe des gefällten Baumes |
| Berlin | handelsübliche Baumschulware, z. B. 3- oder 4-mal verpflanzt mit Drahtballen; Containerware wird nicht anerkannt |
Kaufe nicht „ungefähr passend“. Ein Baum mit 16/18 cm erfüllt eine Auflage über 18/20 cm nicht. Lass Dir die Qualität auf Angebot und Lieferschein bestätigen — der Lieferschein ist später Dein bester Nachweis.
Platz: die Wuchsklasse muss zum Standort passen
Der häufigste Fehler ist ein Baum, der in zwanzig Jahren zu groß für seinen Platz ist. Prüfe vor der Artenwahl:
- Endhöhe und Kronenbreite — nicht die Größe beim Kauf, sondern im Alter.
- Abstand zu Gebäuden, Leitungen und Wegen — Wurzeln und Krone brauchen Raum.
- Grenzabstand zum Nachbarn — er richtet sich nach dem Nachbarrecht des Bundeslandes. Mehr dazu im Ratgeber Nachbarrecht und Bäume.
- Licht und Boden — sonnig oder schattig, trocken oder feucht, verdichtet oder locker. Die Pflanzgrube kann viel ausgleichen, aber nicht alles.
Frankfurt regelt den Konflikt mit dem Grenzabstand ausdrücklich: Ist er nicht einzuhalten, genügt ein Laubbaum 2. Ordnung oder ein Großstrauch. Andere Städte entscheiden im Einzelfall.
Artenübersicht nach Platzangebot
Die folgende Auswahl stammt aus der Münchner Empfehlungsliste für Ersatzpflanzungen 2026. Markiert sind heimische Arten und Arten, die im bayerischen Praxisversuch „Stadtgrün 2021“ der LWG Veitshöchheim zu den vorläufig besten an mindestens einem Versuchsstandort gehörten (dort teils als bestimmte Sorte getestet). Die Auswahl ist ein Ausgangspunkt für das Gespräch mit Behörde und Baumschule, keine Freigabe für Deinen Standort.
Viel Platz — große Bäume über 20 m
| Art | Botanisch | Hinweis |
|---|---|---|
| Stiel-Eiche | Quercus robur | heimisch |
| Trauben-Eiche | Quercus petraea | heimisch |
| Winter-Linde | Tilia cordata | heimisch |
| Sommer-Linde | Tilia platyphyllos | heimisch |
| Spitz-Ahorn | Acer platanoides | heimisch |
| Wald-Kiefer | Pinus sylvestris | heimisch |
| Zerr-Eiche | Quercus cerris | Stadtgrün 2021 |
| Silber-Linde | Tilia tomentosa | Stadtgrün 2021 |
| Schnurbaum | Sophora japonica | Stadtgrün 2021 |
| Gleditschie | Gleditsia triacanthos | Stadtgrün 2021 |
| Ginkgo | Ginkgo biloba |
Mittlerer Platz — Bäume bis etwa 20 m
| Art | Botanisch | Hinweis |
|---|---|---|
| Feld-Ahorn | Acer campestre | heimisch |
| Hainbuche | Carpinus betulus | heimisch, Stadtgrün 2021 (Sorte) |
| Elsbeere | Sorbus torminalis | heimisch |
| Vogel-Kirsche | Prunus avium | heimisch |
| Purpur-Erle (Späths Erle) | Alnus x spaethii | Stadtgrün 2021, an allen drei Standorten |
| Amberbaum | Liquidambar styraciflua | Stadtgrün 2021 |
| Hopfenbuche | Ostrya carpinifolia | Stadtgrün 2021 |
| Ungarische Eiche | Quercus frainetto | Stadtgrün 2021 (Sorte) |
| Schmalkronige Stadtulme | Ulmus x hollandica ‘Lobel’ | Stadtgrün 2021 |
| Baum-Hasel | Corylus colurna |
Wenig Platz — kleine Bäume bis etwa 10 m
| Art | Botanisch | Hinweis |
|---|---|---|
| Blumen-Esche (Manna-Esche) | Fraxinus ornus | Stadtgrün 2021 |
| Eisenholzbaum | Parrotia persica | Stadtgrün 2021 |
| Burgen-Ahorn | Acer monspessulanum | |
| Felsenbirne | Amelanchier | |
| Eingriffliger Weißdorn | Crataegus monogyna | heimisch |
| Holz-Apfel | Malus sylvestris | heimisch |
| Eibe | Taxus baccata | heimisch |
Zum Versuch selbst: Der Autor bezeichnet seine Bestenliste ausdrücklich als vorläufig und weist darauf hin, dass Versuchsergebnisse oft überraschen. Gute Noten an drei bayerischen Standorten sind ein Hinweis, keine Garantie für Deinen Garten.
Heimisch oder klimaangepasst?
Beides hat Argumente. Heimische Arten wie Eiche, Linde oder Feld-Ahorn sind eng mit der heimischen Tierwelt verbunden. Arten aus wärmeren Regionen — Zerr-Eiche, Hopfenbuche, Amberbaum — werden in Klimabaum-Versuchen getestet, weil sie mit Hitze und Trockenheit an Stadtstandorten besser zurechtkommen könnten. Manche Städte setzen Grenzen: In Köln sind nicht heimische Arten nur zulässig, wenn sie nicht als invasiv gelistet sind.
Ein praktikabler Weg: Bei viel Platz und gutem Boden eine heimische Großbaumart wählen, an heißen, versiegelten Standorten eine im Versuch bewährte Art — und beides vorher mit der Behörde abstimmen.
Wovon die Redaktion abrät
Manche Arten stehen noch auf kommunalen Listen, sind aber durch Krankheiten belastet. Hier lohnt das Gespräch mit der Behörde über eine Alternative:
- Gemeine Esche — das Eschentriebsterben befällt die heimische Esche stark.
- Gewöhnliche Rosskastanie — die Kastanien-Miniermotte schwächt die weißblühende Art jedes Jahr.
- Gemeine Fichte in tieferen Lagen — anfällig für Trockenstress und Borkenkäfer.
- Berg-Ahorn an heißen, trockenen Standorten — dort steigt das Risiko der Rußrindenkrankheit.
Damit der Ersatzbaum anwächst
Eine Ersatzpflanzung ist erst erfüllt, wenn der Baum angewachsen ist — so formuliert es etwa die Kölner Satzung. Frankfurt verlangt fünf Jahre Pflege und eine sofortige Nachpflanzung, wenn der Ersatzbaum eingeht. Was das für Dich bedeutet:
- Pflanzzeit — Herbst oder Frühjahr, nicht bei Frost, nicht in Hitze.
- Pflanzgrube — deutlich größer als der Ballen, Boden lockern, bei schlechtem Boden Substrat verbessern.
- Verankerung — Pfahl-Dreibock oder Ballenverankerung, damit der Wurzelballen nicht wackelt.
- Stammschutz — gegen Sonnenbrand, Rasenmäher und Wildverbiss.
- Wasser — in den ersten Jahren durchdringend und regelmäßig gießen, besonders in Trockenphasen. Ein Gießrand oder Bewässerungssack hilft.
- Kontrolle — Bindungen jährlich prüfen, damit sie nicht einwachsen.
Ein Fachbetrieb übernimmt Pflanzung und Anwuchspflege auf Wunsch komplett. Was die einzelnen Posten ungefähr kosten, steht im Abschnitt Kosten der Ersatzpflanzung.
Checkliste vor dem Kauf
- Bescheid lesen: Art oder Liste, Stammumfang, Qualität, Standort, Frist.
- Liste Deiner Kommune prüfen, falls der Bescheid darauf verweist.
- Endgröße der Art mit dem Platz am Standort abgleichen.
- Abweichende Wünsche schriftlich mit der Behörde klären.
- Angebote für genau die geforderte Qualität einholen.
- Qualität auf Lieferschein bestätigen lassen, Pflanzung fotografieren, fristgerecht melden.
Verwandte Themen
- Ersatzpflanzung nach Fällgenehmigung — Auflagen, Ausgleichszahlung, Kosten, Fristen
- Ersatzpflanzung planen — Assistent mit geprüften Regeln ausgewählter Städte
- Klimawandel und Baumbestand
- Baumarten-Lexikon
- Baumschutz nach Bundesländern
Quellen
- Landeshauptstadt München: Empfehlungen für Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen 2026
- Stadt Köln: Baumschutzsatzung vom 18.07.2023 (mit Anlage 1 und 2)
- Stadt Münster: Baumschutz und Ersatzbaumliste
- Stadt Frankfurt am Main: Baumschutzsatzung
- Bezirksamt Treptow-Köpenick (Berlin): Baumfällungen und ökologischer Ausgleich
- LWG Veitshöchheim: Klimabäume – welche Arten können in Zukunft gepflanzt werden?
- § 29 Bundesnaturschutzgesetz (geschützte Landschaftsbestandteile)
- FLL — Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau