Hamburg schützt Bäume auf privaten Grundstücken mit einer eigenen Baumschutzverordnung. Seit 2023 gilt eine neu gefasste Verordnung (Hamburgische Baumschutzverordnung vom 28. Februar 2023). Sie regelt, welche Bäume geschützt sind, wann eine Fällung genehmigt werden kann und wie der Ersatz berechnet wird. Zuständig für Anträge sind die Bezirksämter.

Stand der Prüfung: Die Angaben auf dieser Seite beruhen auf der von uns am 04.11.2026 geprüften Gesamtausgabe der Verordnung vom 28.02.2023. Prüfe vor einer Entscheidung die aktuell gültige Fassung auf landesrecht-hamburg.de oder frag beim Bezirksamt nach — Änderungen sind möglich.

Ab wann ist ein Baum geschützt?

Nach § 1 der Verordnung sind geschützt:

  • Einzelbäume ab 80 cm Stammumfang
  • Mehrstämmige Bäume, wenn mindestens ein Stamm 50 cm Umfang erreicht
  • Baumgruppen und Baumreihen aus mindestens drei Bäumen mit sich berührenden Kronen, wenn einer davon mindestens 50 cm misst (geschützt sind dabei Bäume ab 30 cm)
  • Hecken ab 80 cm Höhe

Gemessen wird in 1,30 m Höhe über dem Boden — setzt die Krone tiefer an, direkt darunter. 80 cm Umfang entsprechen rund 25 cm Stammdurchmesser. Die Behördenseite der Stadt nennt deshalb auch „24 cm Durchmesser in 1,30 m Höhe“ als Faustwert.

Nicht geschützt sind Obstbäume (außer Walnuss und Esskastanie) sowie Verkaufsbäume in Baumschulen, Gärtnereien und im Gartenfachhandel. Nadelbäume nimmt die Verordnung nicht vom Schutz aus.

Was ohne Genehmigung erlaubt ist

§ 5 nennt freigestellte Maßnahmen, unter anderem das fachgerechte Schneiden von Formbäumen und Hecken, das Entfernen abgestorbener oder umgestürzter Bäume und unaufschiebbare Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Für die Gefahrenabwehr besteht eine Anzeigepflicht — dokumentiere den Zustand vorher mit Fotos.

Wann eine Fällung genehmigt wird

Die Verordnung unterscheidet zwei Gruppen (§ 6):

  • Muss genehmigt werden, unter anderem bei Bauvorhaben mit Rechtsanspruch, bei unvermeidbaren Leitungsarbeiten und wenn der Baum nicht mehr stand- oder bruchsicher ist.
  • Kann genehmigt werden, unter anderem bei erheblichen Nutzungsbeschränkungen des Grundstücks, für den Erhalt eines Baudenkmals, bei kranken Bäumen oder bei Arten der EU-Liste invasiver Arten.

Den Antrag stellst Du beim zuständigen Bezirksamt, online über das Hamburg-Serviceportal oder direkt. Welches Amt zuständig ist, zeigt der Behördenfinder anhand der Straße.

Ersatzpflanzung nach Wertpunkten

Hamburg rechnet die Ersatzpflanzung nicht mit einer einfachen Formel je Zentimeter. Der gefällte Baum wird nach der Anlage zur Verordnung mit Wertpunkten bewertet; daraus ergibt sich die Zahl der Ersatzbäume (§ 7, Anlage Tabelle 2):

WertpunkteErsatzbäume
0–40
5–71
8–92
10–113
12–135
14–157
16–1710
18–1913
20–2215

Wie viele Punkte Dein Baum erhält, ermittelt das Bezirksamt nach den Kriterien der Anlage; sie stehen im Bescheid.

Pflanzqualität: klein- und mittelkronige Arten mindestens 16–18 cm Stammumfang, großkronige mindestens 18–20 cm; handelsübliche Baumschulware, dreimal verpflanzt mit Ballen. Statt eines Ersatzbaums kann auch eine 15 m lange Hecke angerechnet werden (drei Pflanzen je Meter, 1–1,25 m hoch, zweimal verpflanzt).

Welche Arten sich eignen, erklärt der Ratgeber Ersatzbaum auswählen.

Ersatzzahlung

Ist eine Ersatzpflanzung wegen der Grundstücksverhältnisse nicht oder nicht vollständig möglich, wird eine Ersatzzahlung fällig (§ 8). Sie bemisst sich an den durchschnittlichen Kosten der nicht durchführbaren Ersatzpflanzung einschließlich Flächenbereitstellung und Pflege. Einen festen Eurobetrag nennt die Verordnung nicht.

Bußgelder

Verstöße gegen das Beseitigungsverbot, die Anzeigepflicht, die Ersatzpflanzung oder die Ersatzzahlung sind Ordnungswidrigkeiten (§ 12 in Verbindung mit § 29 des Hamburgischen Naturschutz-Ausführungsgesetzes). Die Höhe des Bußgelds richtet sich nach diesem Gesetz.

Wann darf gefällt werden?

  • Schutzzeit nach § 39 BNatSchG: Vom 1. März bis 30. September sind das Fällen und starke Rückschneiden von Bäumen außerhalb des Waldes grundsätzlich verboten. Ausnahmen gelten etwa für schonende Form- und Pflegeschnitte und für Maßnahmen zur Gefahrenabwehr.
  • Genehmigung bei geschützten Bäumen: vorher beim Bezirksamt beantragen.
  • Akute Gefahr: Maßnahmen zur unaufschiebbaren Gefahrenabwehr sind freigestellt, aber anzuzeigen — Fotos vor und nach dem Eingriff sind dringend anzuraten.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern

Mit 80 cm Stammumfang liegt Hamburg im üblichen Bereich großer Städte. Streng ist die Verordnung vor allem durch den Schutz von Baumgruppen, mehrstämmigen Bäumen und Hecken sowie durch die Ersatzstaffel bis 15 Bäume.

  • Berlin schützt Laubbäume und Wald-Kiefern mit mehr als 80 cm Stammumfang in 1,30 m Höhe
  • Nordrhein-Westfalen: kommunale Satzungen, zum Beispiel Köln ab 80 cm, Münster ab 100 cm
  • Bayern: keine landesweite Verordnung; München schützt seit 2026 ab 60 cm

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Fazit

Hamburg schützt seinen Baumbestand konsequent — nicht über eine besonders niedrige Grenze, sondern über den breiten Schutz von Gruppen, mehrstämmigen Bäumen und Hecken und eine Ersatzstaffel nach Wertpunkten. Wer einen großen, alten Baum fällen lassen will, sollte früh planen (Antrag, Gutachten, Ersatzpflanzung) und die Ersatzpflanzung realistisch einkalkulieren: Bei hoher Bewertung können es mehrere Ersatzbäume werden.


Quellen & Rechtsgrundlagen